Soffit-Mounting

Soffit-Mounting oder Flush-Mounting beschreibt das Prinzip Abhörmonitore (Studiolautsprecher) direkt in die vordere Wand eines Raums einzubauen. Dabei ist darauf zu achten, dass die vordere Lautsprecheroberfläche bündig mit der Wand verläuft (flush), es also es keinen Versatz gibt, sondern einen nahtlosen Übergang. Da die Wandoberfläche somit zusammen mit der Lautsprechermembran auf einer gedachten Geraden liegt, ist die Wand für den Lautsprecher akustisch nicht sichtbar und erzeugt somit keine ungewollten akustischen Nebeneffekte, welche durch eine freie Aufstellung von im Raum entstehen würden.

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Es gibt 2 Varianten Soffit-Mounting umzusetzen: Die eine Variante sieht die Lautsprecher entkoppelt von ihrer Aufhängung vor während die andere Versucht den Lautsprecher so massiv mit der Wand zu verbinden wie nur irgendwie möglich und die Wand gleichzeitig so schwer und massiv zu möglich zu konstruieren. Erstaunlicherweise ähneln sich die erzielten Ergebnisse beider Varianten, obwohl ihre Ansätze grundverschieden sind.

Bei der ersten Variante, die entkoppelte Variante, umbaut man die Lautsprecherbox mit einer weiteren stabilen Holzbox. Die Holzbox wird dann in die Vorsatzwand für die Lautsprecher gebaut. Hier gibt es nun erneut zwei Subvarianten der Umsetzung: Die Holzbox versieht man von innen mit entkoppelndem gummiartigem Material, welches die Lautsprecherbox einfasst und diesen von der Box mechanisch trennt. Oder man umschließt die Lautsprecherbox mit der Holzbox so rigide und massiv wie möglich und baut die Box dann entkoppelt in die Wand ein.

Bei der zweiten Varianten, der nicht-entkoppelten Variante, wird der Lautsprecher in der Holzbox direkt in die Vorsatzwand gebaut, ohne irgendwelche Entkopplungsmaßnahmen. Durch die feste Installation wirkt die ganze Wand nun als Gehäuse für den Lautsprecher und schwingt zusammen mit dem Lautsprecher. Da die Wand allerdings massiv und schwer ist, ist die Resonanzfrequenz des Körpers sehr tief und Schwingungen werden großteils gedämpft.

In beiden Varianten übertragen die Lautsprecher keine oder nur sehr geringe Eigenschwingungen in ihre Umgebung, sodass es keine akustischen Nebeneffekte des austretenden Schalls durch Reflektionen oder Resonanzkörperverstärkungen gibt.

Akustische Vorteile

  • Verhinderung von Phasenprobleme durch verminderte Reflektionen der dahinterliegenden „echten Wand“. Bei einer freien Aufstellung im Raum würde der (tieffrequente) Schall von der Rückwand reflektiert werden und sich mit dem Direktschall vermischen. Diese ungewollte Wellenüberlagerung durch Laufzeitverzögerung würde Phaseninkonsistenzen erzeugen.
  • Durch die nun nach vorne gebündelte Schallenergie werden insbesondere tiefe Frequenzen, welche sonst omnidirektional abstrahlen, deutlich verstärkt. Der Lautsprecher kann in diesem Bereich nun effektiver und potenziell etwas tieffrequenter arbeiten. Allerdings wird auch der Pegel deutlich erhöht. Dies muss entsprechend ausgeglichen werden, da die meisten Lautsprecher für eine freie Aufstellung im Raum konzipiert sind und ihr Frequenzverhalten nur dort möglichst linear ist. Dieses lässt sich allerdings kompensieren, z.B. mit einem eingebauten Modus für soffit-mounting oder einem internen oder externen EQ.
  • Verringerung von Diffraktion/Wellenbeugung, welche an Gehäusekanten entstehen würden (Details hierzu siehe -hier-, allerdings auf Englisch)

Verbesserte Rezeption

Durch die akustischen Vorteile wirkt der Klang deutlich direkter und knackiger als in freier Aufstellung im Raum. Aus Erfahrungen von Leuten mit soffit-mounted Lautsprechern liest man, dass ein Lautsprecherpaar völlig anders klingen können. Kraftvoller, wertiger, ähnlich einer akustischen Lupe, welches man sonst eigentlich über Kopfhörer sagt). Auch sei das Stereo-Imaging, also die räumliche Abbildung und die Ortung von Schallquellen, deutlich präziser und transparenter.

Bauliches

Die Lautsprecher werden beim soffit-mounting in eine separate vorgesetzte Wand verbaut, nicht aber etwa in das inner leaf, also die innere Wandschale des Isolationssystems. Das inner leaf muss zwingend hermetisch (luftdicht) abgeschlossen sein. Ein Einbau von Lautsprechern würde den gesamten Isolationsplan zerstören.

Die für das Soffit-Mounting vorgesetzte Wand wird im Hohlraum mit Dämmaterial gefüllt, um Schall dort effektiv zu dämpfen. Die Wand schließt nicht hermetisch ab, sonst würde sie akustisch arbeiten und an dieser Stelle aus unserem Wandsystem ein dreischaliges (three leaves system) machen, welches deutlich ineffektiver ist. Der geschaffene Hohlraum wird jedoch oft für Akustikmaßnahmen wie z.B. Bass Traps oder zum Aufhängen von Plattenschwingern genutzt. Auch bietet sich hier die Unterbringung von Technik wie Endstufen oder Computer an. Der untere Bereich (die letzten ca. 50 cm) ist häufig offen gehalten und lediglich mit (akustisch transparentem) Stoff überspannt.

Zu beachten ist, dass die Wände, in denen die Lautsprecher eingebaut werden offensichtlich schräg gebaut werden müssen, sodass die Lautsprecher zur Abhörposition gerichtet sind. Nachträgliche Änderungen der Abhörpositionen sind nur durch Verändern dieser Wand möglich. Diese Entscheidung sollte also wohl überlegt sein. Zusätzlich ist eine vertikale Neigung möglich, sodass die Lautsprecher etwas höher als Hörebene verbaut werden können. Der Vorteil daran ist, dass auch weiter hinten sitzende Menschen mehr Höhen und Mitten hören können, weil weniger akustische Verdeckung von Schreibtisch und Toningenieur vorhanden ist. Außerdem können zusätzlich Nahfeldmonitore aufgebaut werden ohne, dass diese im Weg wären.

Bauliche Anforderungen für Soffit-Mounting

Beim Umsetzen dieses Prinzips sollte man allerdings auf einige Dinge achten. Beispielweise ist die Hitzeentwicklung eines aktiven Lautsprechers nicht zu verachten, insbesondere wenn man vorhat diesen in eine Wand voll Dämmwolle zu verbauen. Eine adäquate Wärmeabfuhr muss gewährleistet sein, ansonsten entsteht Hitzestau in der Wand. Dieses birgt zwar weniger eine wirkliche Brandgefahr, allerdings eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Kondensat und Schimmelbildung bzw. technischer Überhitzung der Lautsprecherelektronik. Oft wird ein Rohr gelegt, welches im unteren Bereich Luft einlässt, an der Lautsprecherrückseite vorbeiführt und dort erneut Luft einlässt, nach oben führt und an einer Stelle nahe der Decke wieder auslässt.

Die Lautsprecher sollten außerdem für so einen Einbau geeignet sein. Es gibt einige Hersteller (z.B. barefoot), welche Bassreflexrohre zu den Seiten haben, welches problematisch aber nicht unmöglich ist. Besondere Chassis-Formen, beispielsweise von Genelec, sind zudem sehr unpraktisch für Soffit-Mounting. Einerseits sind sie rundlich und unregelmäßig geformt, andererseits auch für eine freie Aufstellung im Raum konzipiert worden und besitzen bereits bauliche Maßnahmen gegen jene akustische Nebeneffekte dieser Aufstellung.

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